프랑크푸르트 룬트샤우에서 2024년 11월 30일에 우리 학교를 방문하여 취재한 기사를 아래의 링크에서 확인할 수 있습니다.
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Frankfurt: Ein Besuch in der größten Koreanischen Schule in Europa
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Von: Kathrin Rosendorff

Jeden Samtag besuchen koreanische Schüler:innen von vier bis 18 Jahren in Höchst den muttersprachlichen Unterricht. Dabei geht es nicht nur um Sprachkenntnisse, sondern auch um die Geschichte des Landes, die Kultur und die Gemeinschaft.
Läuft man durch die Glastür, steht auf Deutsch und auf Koreanisch das Wort Eingang geschrieben, und man sieht Fotos der vielen Klassen der Koreanischen Schule in Frankfurt: Sie ist die größte in ganz Europa mit rund 700 Schüler:innen, die zwischen vier und 18 Jahre alt sind. Hier gibt es Klassen für jede Altersstufe – von Kindergartenkindern bis hin zu Oberstufenschüler:innen. Das Leibnizgymnasium unweit des Höchster Bahnhofs ist immer samstags der Sitz der Koreanischen Schule.
Im Foyer verkaufen Frauen koreanisches Essen wie Gimbap, die koreanische Version von Sushi: in Algen gewickelter Reis mit Gemüse, Fisch und Rindfleisch für die Pausen. Vor den Klassenräumen der Jüngsten im Erdgeschoss sitzen an Tischen Eltern, die Aufsicht haben, so dass sie die Kleinen, wenn diese mal auf die Toilette müssen, begleiten können. Wie in Südkorea ist alles perfekt durchorganisiert.
An der Tafel der Kindergarten-Klasse stehen die Zahlen von eins bis zehn auf Koreanisch geschrieben. Ein Mädchen trägt weiße Ohrenschützer, die wie Hasenohren aussehen. Gerade üben sie spielerisch Laute und Worte wie „Ra wie Ramen“, sagt die Lehrerin. Sie trägt ein Headset-Mikrofon und spielt Töne auf dem Keyboard, so dass es melodischer und spaßiger ist als normaler Unterricht. Hangul nennt man das koreanische Alphabet, es hat 24 Buchstaben. Die fünfjährige Pomi, die in der Nachbarklasse gerade bastelt, sagt: „Ich kann besser Deutsch als Koreanisch sprechen.“
Noch, denn hier lernen die Kinder ihre Muttersprache mit den gleichen Schulbüchern wie in Südkorea. „Die meisten Schüler sind hier in Deutschland geboren oder als sehr kleine Kinder hergekommen mit ihren Eltern“, sagt Eun-joo Shim, als sie durch die Schule führt. Seit 2022 ist sie die Direktorin. Zuvor unterrichtete sie 16 Jahre lang hier als Lehrerin.
„Als die Koreanische Schule 1976 gegründet wurde, gab es nur drei Klassen mit 50 Schülern“, erzählt sie. Damals war die Schule am Domplatz, in den Räumlichkeiten der Caritas. Seitdem ist die Schule mehrmals in der Stadt umgezogen. Wie die meisten Koreanischen Schulen in Deutschland wurde die Schule in Frankfurt gegründet, als in den 70er-Jahren vor allem koreanische Bergleute und Krankenschwestern als Gastarbeiter:innen nach Deutschland kamen. Sie waren darüber besorgt, dass ihre Kinder, die dann die deutschen Schulen besuchten, die koreanische Sprache verlieren oder sich in ihrer Muttersprache nicht weiterentwickeln könnten. Im Rhein-Main-Gebiet lebt mittlerweile die größte koreanische Community in Europa, viele koreanische Unternehmen wie Hyundai oder Samsung sind hier angesiedelt.

Die Koreanische Schule ist ein Verein, finanzielle Unterstützung kommt von der südkoreanischen Regierung, von privaten Spender:innen und Sponsoren wie den hier ansässigen Unternehmen. Die Eltern zahlen einen „symbolischen Monatsbeitrag“ von 35 Euro. 40 Lehrer:innen unterrichten hier, 38 davon sind weiblich. Alle werden bezahlt, sie arbeiten in der Woche als Lehrer:innen oder in anderen Berufen, alle haben einen Uni-Abschluss.
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An diesem Tag ist auch Sun-Hee Kim als Elternaufsicht im Einsatz. Seit 15 Jahren lebt sie in Deutschland. Sie sagt: „Meine Kinder sind sieben und neun Jahre alt und besitzen die koreanische und deutsche Staatsangehörigkeit. Sie sollen die Muttersprache perfekt beherrschen. Nicht nur, damit sie mit den Großeltern in Korea sprechen können, sondern auch gehen wir vielleicht in zehn Jahren wieder zurück.“

Während die Direktorin Eun-joo Shim den Unterricht der Grundschüler:innen beobachtet, die sich eifrig melden, sagt sie: „Koreanische Kinder sind besonders fleißig.“ Es gibt Vormittags- oder Nachmittagsunterricht. Am Nachmittag kämen meist die Kinder aus Multikulti-Familien (also ein Elternteil koreanisch, das andere eben anderer Nationalität). Es gebe dann auch Taekwondo- oder Kunstunterricht. Und wahlweise Matheunterricht, weil dieser in Südkorea viel schneller und anspruchsvoller sei. Aber es gehe nicht nur um Leistung: „Es ist uns auch wichtig, dass die Kinder die koreanische Kultur, die Geschichte lernen“, so die Direktorin. Zudem werde in der koreanischen Gesellschaft viel mehr Wert auf das soziale Miteinander gelegt. „Es geht weniger um das ‚Ich‘, sondern um das ‚Wir-Gefühl‘.“

Als sie die Turnhalle an diesem Vormittag betritt, spielen die älteren Schüler:innen kurze Szenen, angelehnt an die international gefeierte koreanische Netflix-Serie „Squid Game“. Es geht um „Handysucht und soziale Medien“. Die Stimmung ist fröhlich. Mitschüler:innen und Lehrer:innen lachen gemeinsam. Yeseo Yun (17) ist eine Protagonistin des Spiels. Als sie zehn Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie von Seoul nach Frankfurt. „Hier fühle ich die südkoreanische Kultur und Gemeinschaft. Ich habe das vermisst.“ Ihre jüngere Schwester Sion Yun (15) sagt: „Wir wachsen zwar zweisprachig auf, aber mit meinen Eltern hätte ich meine Sprache nicht so weiterentwickeln können und nicht so viel von der Tradition und der Geschichte Südkoreas erfahren.“ Sie lernten hier Gedichte, schrieben Aufsätze. Und es sei ein Ort, wo sie andere Koreaner:innen kennenlernten. Aber ist Samstagsunterricht nicht anstrengend? „Nein, es macht Spaß. Und es ist ein Ort, wo ich Freunde treffe.“ Noten gebe es keine. Sie sei froh, dass sie hier und nicht in Südkorea lerne. Denn in der dortigen Leistungsgesellschaft sei der Druck viel größer.

Der 16-jährige Minjue findet es gut, dass „die Schulbücher das gleiche Niveau wie in Korea haben“. Denn die Berufswelt in Südkorea sei geprägt von Wettbewerb. „Es ist sehr schwierig, dort einen Job zu bekommen.“ Hier an der Koreanischen Schule sei es nie „ein langweiliger Schultag“.
Am Mittag strömen die Kinder und Jugendlichen aus den Klassen. Einige werden von ihren Eltern mit dem Auto abgeholt. Denn sie kommen nicht nur aus Frankfurt, sondern auch aus Bad Homburg oder Mainz wie Luri Lee (17) und ihre zwei jüngeren Geschwister. „Es gibt auch eine koreanische Schule in Mainz, aber die ist viel kleiner. Nächstes Jahr mache ich mein Abitur, danach will ich zurück nach Korea, deswegen ist es wichtig, dass ich fließend koreanisch kann“, sagt Luri Lee. Den sechsten Schultag empfindet sie nicht als Last: „Es ist eine tolle Möglichkeit.“

